Interview mit der Baubranche

Architektur ist kein Elfenbeinturm, sie muss erklärt werden

— Im Gespräch mit Miriam Beul über Moderation, Netzwerke & urbane Transformation

Architektur sichtbar machen — Im Gespräch mit Carina Hahn über Branding, Kommunikation & Haltung.
Miriam Beul, MIRIAM BEUL – Netzwerkagentur für urbane Kommunikation ©Christian Stoll

Miriam Beul ist eine der prägenden Stimmen, wenn es um Kommunikation in der Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklung geht. Als Geschäftsführerin der MIRIAM BEUL-Netzwerkagentur für urbane Kommunikation in Düsseldorf berät sie Unternehmen und Start-ups bundesweit in Fragen der Positionierung und Sichtbarkeit.

Mit über 20 Jahren Erfahrung als Journalistin, mehr als 300 moderierten Events und Lehrtätigkeiten an der EBZ Business School sowie der IREBS Immobilienakademie bringt sie ein einzigartiges Verständnis für die Schnittstellen von Architektur, Immobilien und Gesellschaft mit.

In unserem Gespräch teilt sie ihre Perspektiven auf die Wirkung von Live-Formaten, die Bedeutung von Storytelling in der Architekturkommunikation und warum Moderation immer auch Übersetzung bedeutet. Ein Gespräch über Haltung, Resonanz – und warum Kommunikation längst kein Beiwerk mehr ist.

Events und Moderation als Mittel der Architekturvermittlung

Warum sind Live-Formate wie Diskussionsrunden und Konferenzen so wirkungsvoll, um Architektur und Stadtentwicklung greifbar zu machen?

Miriam Beul Weil sie die Menschen hinter den Projekten sichtbar machen. Architektur ist Haltung – und die wird im Dialog spürbar. Gerade weil Architekten und Investoren oft voller Vorurteile aufeinandertreffen – „Künstler“ hier, „Feindbild Investor“ dort – sind solche Runden so wertvoll.

Wenn dann auch noch Politik, Industrie oder Klimaexpert:innen dabei sind, wird klar: Gebäude sind Teil der gebauten Umwelt. Und die versteht man nur interdisziplinär.

Was macht eine gute Moderation in der Architekturvermittlung aus? Wie gelingt es, komplexe Fachthemen so zu präsentieren, dass sie spannend und zugänglich bleiben?

Miriam Beul Moderation heißt übersetzen. Ich muss Fachjargon verständlich machen, ohne die Tiefe zu opfern. Profis sollen gefordert bleiben, Laien trotzdem folgen können. Und ich spreche Konflikte an. Dass Architekten angeblich nicht rechnen können und Investoren nur auf Rendite schauen – das sind Klischees, die beide Seiten gern selbst bestätigen. Aufgabe von Moderation ist es, diese Gräben sichtbar zu machen und Brücken zu bauen.

Wichtig ist mir, dass am Ende eins Panels alle klüger sind als vorher und am besten auch mindestens einmal gelacht haben.

Es gibt viele verschiedene Eventformate – von Panels bis hin zu interaktiven Workshops. Welche Formate haben sich aus Deiner Erfahrung besonders bewährt?

Miriam Beul Panels funktionieren, wenn unterschiedliche Perspektiven vertreten sind. Besonders spannend finde ich Dialoge zwischen nur zwei Personen, also Face-to-Face-Formate, mit sehr verschiedenen Haltungen – Architekt:in und Projektentwickler:in etwa. Da fliegen die Funken, aber produktiv. Und wir brauchen mehr Formate, die Silos aufbrechen: Immobilienwirtschaft, Architekt:innen, Politik, Hersteller, Materialwirtschaft, Kapital und Klimaexpert:innen gemeinsam auf einer Bühne.

Gebäude sind Teil der gebauten Umwelt – und die lässt sich nur interdisziplinär begreifen. Auch sehe ich einen Trend zu mehr partizipativen Formaten wie Fischbowls oder Workshops. Die Gäste sollen immer häufiger zu Mitwirkenden werden.

Wie unterscheidet sich die Wirkung von Live-Events im Vergleich zu klassischen Kommunikationsformen wie Artikeln, Büchern oder Social Media?

Miriam Beul Ein Artikel kann analysieren, Social Media kann Aufmerksamkeit schaffen, Reichweite kreieren und Communities bilden – aber nur Live-Events erzeugen nachhaltig menschliche Resonanz. Dort gibt es spontane Reaktionen, Widerspruch, Emotion. Nicht zu vergessen: Nur auf der Bühne sehe ich die Menschen hinter den Projekten, ihre Ideen und Haltungen. Architektur wird auf diese Weise nicht nur vermittelt, sondern erlebt.

Gibt es ein Event oder eine Moderation, die Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Miriam Beul Ja – mein Rollenspiel mit der Architektin und Influencerin Natalie Bräuninger auf der Construction Love 2025. Sie hat sich als Architekt (schwarzer Rolli, Hornbrille) verkleidet, ich als pomadiger Investor mit Champagnerkühler unter dem Arm (beide männlich!) Dann haben wir pointiert unser jeweiliges Selbstbild formuliert und alle Klischees ausgespielt, die man übereinander hat. Das war sehr witzig – und gleichzeitig entlarvend, weil es gezeigt hat, wie fest diese Stereotype in den Köpfen sitzen. Genau solche Momente bringen das Publikum zum Lachen – und zum Nachdenken.

Architektur ist Haltung – und die wird im Dialog spürbar.

Miriam Beul, CEO & Founder, miriambeul.de

Zeitgemäße Architekturkommunikation in Miriams Arbeit

Welche Strategien nutzt Du, um Fachinhalte verständlich zu vermitteln – ohne dabei an Tiefe zu verlieren?

Miriam Beul Über Geschichten. Ich erzähle immer entlang von Problem, Akteuren, Konflikten und Lösungen. Dann bleiben selbst Themen wie Kreislaufwirtschaft oder Materialkreisläufe greifbar. Architektur wird spannend, wenn man auch das zeigt, was nicht funktioniert hat.

Welche Rolle spielen hybride oder digitale Eventformate in der Architekturvermittlung?

Miriam Beul Sie sind die Zukunft. Die Bühne vor Ort bleibt unersetzlich – gerade in einem Beruf, der Räume gestaltet. Aber digitale Kanäle verlängern die Wirkung, senken die Schwelle und holen mehr Menschen ins Gespräch. Hybrid ist der Königsweg: Resonanzraum und Reichweite zugleich.

Wie lassen sich Architekturdiskussionen lebendig erzählen und in den richtigen Kontext setzen?

Miriam Beul Indem man nicht nur das „Was“ erzählt, sondern auch das „Warum“ und „Wie“. Indem man die Orte erklärt, die ja auch schon vorher eine Geschichte hatten. Architektur ist spannend, wenn man die Konflikte, die Suche nach Kompromissen, die gescheiterten Ideen mitvermittelt. Genau in diesen Reibungen – etwa wenn Architekt:innen und Projektentwickler:innen völlig unterschiedliche Zielbilder verfolgen – liegt der Stoff für lebendiges Storytelling.

Wie sieht Dein persönlicher Ansatz aus, wenn es darum geht, Architekturprojekte oder Stadtentwicklungsprozesse in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen?

Miriam Beul Ich verbinde Architektur immer mit Immobilienwirtschaft, Politik und Gesellschaft. Projekte sind für mich nie nur Ästhetik, sondern Infrastruktur: Wie beeinflusst das Bauwerk das Leben von Menschen? Wie wirkt es auf die Stadt, den Markt, den Alltag? Und welche Konflikte entstehen, wenn architektonische Haltung auf Investorenlogik trifft? Diese Spannung interessiert mich besonders.

Projekte sind für mich nie nur Ästhetik, sondern Infrastruktur.

Miriam Beul, CEO & Founder, miriambeul.de

Tipps & Einblicke für die Branche

Welche Fehler siehst Du häufig bei der Kommunikation von Architekturthemen – sei es bei Events, in der Presse oder in der Außendarstellung von Büros?

Miriam Beul Es gibt mehrere: zu technisch, zu selbstreferenziell, zu männlich dominiert. Frauenperspektiven auf Stadt und Gebäude fehlen oft völlig – ein Verlust, den wir uns nicht mehr leisten können. Und: Architekten reden gern untereinander, Investoren ebenso – aber viel zu selten miteinander. Genau da liegt die Aufgabe von Kommunikation.

Wenn Du eine Veränderung in der Architekturkommunikation sofort umsetzen könntest – welche wäre das, und warum?

Miriam Beul Mehr Ehrlichkeit. Mut, Fehler und Lernprozesse offen zu kommunizieren. Und vor allem: raus aus den fachlichen Gräben zwischen Architekten und Investoren. Nur im gemeinsamen Gespräch entstehen tragfähige Lösungen.

Wie siehst Du die Zukunft von Architektur-Events und -Moderation? Werden digitale Formate klassische Veranstaltungen langfristig ablösen?

Miriam Beul Nein. Das physische Erlebnis ist unersetzbar. Aber digitale Formate sind eine wertvolle Ergänzung. Sie schaffen niedrigschwellige Begegnungsräume und können helfen, verhärtete Fronten aufzuweichen.

Wenn Du eine Botschaft an Architekt:innen und Unternehmen richten könntest, die sich mit ihrer Kommunikation beschäftigen – welche wäre das?

Miriam Beul Kommunikation ist kein Beiwerk, sie ist Teil der Arbeit. Wer baut, prägt die Gesellschaft – und muss erklären, warum und für wen. Nur wenn Architekten und Investoren die Sprache der anderen lernen und Vielfalt selbstverständlich wird, entstehen Projekte, die wirklich tragen.

Kommunikation ist kein Beiwerk, sie ist Teil der Arbeit. Wer baut, prägt die Gesellschaft – und muss erklären, warum und für wen.

Miriam Beul, CEO & Founder, miriambeul.de

Vielen Dank an Miriam Beul – für das spannende Interview und die inspirierenden Einblicke in ihre Arbeit.

Architektur ganzheitlich kommunizieren

Warum wir diese Interviews führen

Architektur sichtbar zu machen, heißt für uns mehr als gute Bilder zu produzieren. Wir glauben an ganzheitliche Kommunikation – an mutige Marken, starke Haltungen und klare Botschaften. Deshalb sprechen wir mit Menschen, die genau das tun: Baukultur kommunizieren. Unsere Interviews geben Einblicke in zeitgemäße Strategien, inspirierende Perspektiven und persönliche Erfahrungen aus der Praxis – immer mit Blick auf Architektur, Immobilien, Städtebau und die Kommunikation dahinter.

Das Ziel

Wir wollen zeigen, wie Marken in der Bau- und Immobilienbranche heute überzeugen – nicht nur durch gute Architektur, sondern durch gute Kommunikation.

Und was das mit uns zu tun hat?

Als Architekturfotografen und Content-Partner gestalten wir visuelle Kommunikation mit. Wir wissen, wie entscheidend das Zusammenspiel aus Bild, Sprache und Strategie ist – und beraten unsere Kund*innen genau an dieser Schnittstelle.

Als Fotografen und Content-Partner gestalten wir visuelle Kommunikation mit. Wir wissen, wie entscheidend das Zusammenspiel aus Bild, Sprache und Strategie ist – und beraten unsere Kund*innen genau an dieser Schnittstelle.

Du möchtest selbst einmal Teil unserer Interviewreihe werden oder kennst jemanden mit einem spannenden Ansatz rund um Architektur, Kommunikation oder Baukultur? Dann schreib uns gerne – wir freuen uns auf spannende Gespräche!

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